Stimme oder Strafe


So teuer kann Nichtwählen im Ausland werden


Ein Beitrag von Aylissa Schäfer
Wahlpflicht statt Wahlrecht? In Deutschland kann jeder frei über seine Stimmabgabe entscheiden. Es gibt jedoch Länder, in denen drohen empfindliche Strafen, wenn man der Wahlurne fernbleibt.
Sollte man Wählen zur Pflicht machen? Bürger, die dagegen verstoßen, müssten dann mit Strafen rechnen. Kann das funktionieren? Oder lässt sich die Stimmabgabe gar nicht erzwingen, weil gewitzte Zeitgenossen immer einen Ausweg finden?

Gegner der Wahlpflicht sehen in einer Strafandrohung hierzulande eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Es müsse jedem Bürger frei stehen, zu wählen oder eben nicht zu wählen. Im Ausland ist man da zum Teil anderer Meinung.

In der Türkei etwa besteht Wahlpflicht. Wer dagegen verstößt, dem drohen 130 Euro Bußgeld. In Bolivien können Nichtwählern sogar der Pass entzogen und die Bankkonten gesperrt werden. Auch in Australien wird Nichtwählen bestraft: 20 Dollar kostet das Versäumen. Bei wiederholtem Fernbleiben von der Wahl droht laut Gesetz sogar Gefängnis. **

Australien ist ein Paradebeispiel dafür, dass Strafen tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigen. Seit den 60er Jahren lag die Wahlbeteiligung auf dem Kontinent nie tiefer als 94 Prozent., sondern meist deutlich höher. Protestwähler geben einfach ungültige Stimmen ab. Bei den Senatswahlen 2007 taten dies aber nur 2,55 Prozent der Wahlberechtigten und –pflichtigen.

Wahlpflicht in Australien

Gabriele Ratzke wanderte vor 30 Jahren nach Australien aus – und geht immer wählen



Die Gründe für die Einführung der Wahlpflicht in Down Under sind historische. Im Ersten Weltkrieg verloren 60 000 Australier ihr Leben. Um diesen Verlusten Tribut zu zollen, wurde der Akt des Wählens zur symbolischen Pflicht erhoben. Die erkämpfte Freiheit sollte wahrgenommen werden.

Gabriele Ratzke (58) wurde in Deutschland geboren und wanderte vor dreißig Jahren mit ihrem Mann Walter an die Goldküste aus. Gemeinsam mit ihrer Familie wohnt sie in Brisbane, arbeitet dort an der Universität. Mittlerweile besitzt sie die australische Staatsbürgerschaft – und geht wählen:

„Ich möchte keine Strafe bezahlen müssen. Meiner Arbeitskollegin ist das schon passiert, vor vielen Jahren. Sie war einfach nicht an den Wahlen interessiert.“

Aber nicht die Angst vor einer Strafe treibt Ratzke zur Wahlurne, es ist ihr politisches Interesse: „Meistens tue ich es wirklich aus Überzeugung. Außerdem sagen wir hier immer, dass man sich nicht über die Regierung beschweren soll, wenn man nicht zur Wahl geht.“


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