Niedrige Wahlbeteiligung, großes Problem?


Zwei Expertinnen im Streitgespräch


Ein Video von Karina Mößbauer
Was bedeutet die sinkende Wahlbeteiligung? In der Interpretation sind sich längst nicht alle Experten in Wissenschaft und Politik einig.

Kerstin Plehwe, Vorsitzende der Initiative ProDialog, hängt der sogenannten Krisenthese an. Sie sagt: Die Demokratie wird ausgehöhlt. Dr. Viola Neu, Wahl- und Parteienforscherin bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, glaubt hingegen an eine Normalisierung.

Wer kann seine Theorie besser vertreten? Ein Video-Streitgespräch.
Normalisierungsthese

Die Normalisierungsthese sieht in niedriger Wahlbeteiligung ein Zeichen für Zufriedenheit mit dem System. Wer nicht wählt, sieht offenbar keinen Änderungsbedarf. Die Wahlbeteiligung sei in Deutschland in den 70er und 80er Jahren außerdem unnatürlich hoch gewesen. Dass sie nun sinkt, ist ein „Normalisierungsprozess“. Laut der Normalisierungsthese sind Wahlen lediglich ein Mittel, um Macht zuzuweisen und Herrschaft zu legitimieren. Hohe Wahlbeteiligung ist deswegen unnötig, solange eine handlungsfähige Regierung entsteht.


Krisenthese

Die Krisenthese sieht in sinkender beziehungsweise niedriger Wahlbeteiligung ein ernstzunehmendes Problem. Das Wahlergebnis sollte die Wählermeinung widerspiegeln. Wenn allerdings ein Großteil der Bevölkerung nicht wählt, sind die Ergebnisse verzerrt. Denn die Stimmen der Nichtwähler bleiben unberücksichtigt. Noch dramatischer: Der Akt der Wahlenthaltung wird als Protest und Ablehnung interpretiert. Eine sinkende Wahlbeteiligung wird deshalb als Vertrauensverlust in das politische System, in die Parteien und in die Politiker gedeutet. Hohe Wahlbeteiligung gilt hingegen als Vertrauensbeweis in das demokratische System.

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