Gute Gründe, nicht wählen zu gehen?!


Motive der Nichtwähler auf dem Prüfstand


Ein Beitrag von Larissa Hoppe
Es gibt viele Gründe, nicht wählen zu gehen. Doch sind es immer gute Gründe? Wahllos.de hat fünf Motive auf die Probe gestellt.
Welche Gründe könnten Nichtwähler haben, keine Stimme abzugeben? Diese Frage stellte das Forsa-Institut 2.013 Wahlberechtigten. Das Ergebnis ist ein Ranking , das die insgesamt elf am häufigsten genannten Motive auflistet. Wahllos.de hat fünf Motive herausgezogen und hinterfragt. Haben sie ihre Berechtigung oder sind es bloß Ausreden?


Die Grafik zeigt ein Ranking der fünf Gründe der Nichtwähler



1) Durch Wahlen ändert sich nichts

Ganze 87 Prozent der Befragten gaben an, dass Wahlen keine Veränderung bringen würden. Ist das wirklich so? Wahllos.de hat den SPD-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Vize-Kanzler Franz Müntefering gefragt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Müntefering

SPD-Bundestagsabgeordneter Franz Müntefering

"Dieser Grund ist eine Ausrede"


"In dieser Aussage steckt zum Einen, dass man das Gefühl hat, dass nichts geändert werden muss; und zum Anderen, dass man meint, durch die eigene Stimme nicht das erreichen zu können, was man erreichen will. Viele verlassen sich aber auch einfach darauf, dass es gut voran geht. Das entlässt einen aber nicht aus der Verantwortung. Auch nicht diejenigen, die keine Stimme abgeben. Man kann nicht auf eine Stimmabgabe verzichten und sich dann hinterher aufregen. Wenn man will, dass sich etwas verbessert, muss man wählen gehen. Bei manchen ist dieser Grund eben eine Ausrede, weil sie sich nicht mit der Politik beschäftigen wollen und nur oberflächlich bleiben."

2) Keine Unterschiede zwischen den Parteien

Mehr als die Hälfte der Befragten (63 Prozent) sagt, es gebe keine Unterschiede zwischen den Parteien. Wir haben die jeweils jüngsten Abgeordneten der Bundestagsfraktionen gefragt. Nadine Schön (CDU), Sven-Christian Kindler (B90/Grüne), Daniela Kolbe (SPD) und Florian Bernschneider (FDP) sind sich in einem Punkt einig: Es gibt Unterschiede zwischen den Parteien. Von der Fraktion Die Linke hat sich kein Jungparlamentarier unseren Fragen gestellt.

Die vier jüngsten Abgeordneten ihrer Bundestagsfraktion

Nadine Schön (CDU), Daniela Kolbe (SPD), Sven-Christian Kindler (Bündnis90/Die Grünen) und Florian Bernschneider (FDP) sagen, worin sich die Parteien unterscheiden


3) Schlechtes Wetter

Regen, Gewitter, Schnee. Ein Viertel der Befragten (25 Prozent) gab an, dass zu schlechtes Wetter ein Grund für die geringer werdende Wahlbeteiligung sein könnte. Aber wie schlecht war das Wetter bei den letzten Wahlen wirklich? Wolfgang Harno, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD), hat die Wetterdaten der letzten neun Wahltermine (1980 bis 2009) studiert. An sieben Wahlterminen war das Wetter gut. Nur an zwei Wahlterminen war das Wetter so schlecht, dass man sich dicker anziehen oder einen Regenschirm mitnehmen musste. Der Gang zum Wahllokal war dann problemlos möglich.

Diplom-Meteorologe Wolfgang Harno vom Deutschen Wetterdienst (DWD)

"Die letzten neun Wahlen war das Wetter gut genug, um zur Wahl gehen zu können"


4) Zu kompliziertes Wahlsystem

Knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) gab an, das Wahlsystem sei zu kompliziert. Ganz einfach ist es zwar nicht. Doch Comedian Ingo Appelt, selbst Mitglied der SPD, weiß, wie man den Unterschied zwischen Erststimme und Zweitstimme leicht erklären kann.

Comedian Ingo Appelt

"Stellt Euch nicht so an"


5) Krankheit oder Urlaub

Immerhin noch sieben Prozent der Befragten gaben an, Urlaub oder Krankheit seien Gründe, nicht zur Wahl zu gehen. Dr. Petra Michaelis-Merzbach, seit 2010 Landeswahlleiterin von Berlin, hält dagegen: Trotz Urlaub und auch im Fall einer spontanen Erkrankung könnten Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben.

Die Berliner Landeswahlleiterin Dr. Petra Michaelis-Merzbach

"Urlaub und Krankheit sind keine Gründe keine Stimme abzugeben."

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