Winni Schäfer

Fern-Weh


Wenn Deutsche im Ausland (nicht) wählen


Ein Beitrag von Aylissa Schäfer und Niclas Renzel
Winni Schäfer ist Nichtwähler, wie er auf wahllos.de preisgibt. Dabei engagiert sich der Fußballtrainer, der seit Jahren im Ausland arbeitet, sogar in der Politik. Doch es gab eine Zeit, in der sich der Fußballer in der Ferne nicht ordentlich um die Stimmabgabe gekümmert hat. Seine Erfahrung wirft ein Schlaglicht auf das nicht immer einfache Thema Briefwahl der Auslandsdeutschen.
Was muss ich machen, um per Briefwahl meine Stimme abzugeben? Wo und bis wann muss ich sie beantragen? Bin ich überhaupt wahlberechtigt? Als Auslandsdeutscher gilt es so manche Hürde zu beachten.

Kamerun, die Emirate, Aserbaidschan, Thailand und jetzt Jamaika. Fußballtrainer Winfried Schäfer (63) kommt viel rum.
Seit 2001 lebt und arbeitet Winfried Schäfer (63) in Ausland.
Im Juli dieses Jahres übernahm er das Nationalteam von Jamaika, lebt nun in der Hauptstadt Kingston. Mindestens 300 Tage im Jahr verbringt der Ex-Bundesligacoach in der Ferne, nur alle paar Monate reicht die Zeit für einen Besuch in Deutschland. Im September stehen die wichtigen Qualifikationsspiele für die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien an. In der Wahlkabine stehen wird er am 22.9. wohl eher nicht.

Deutsche im Ausland

Winni Schäfer über die Tücken der Briefwahl



Allein über eine Million sogenannter Auslandsdeutsche in Europa werden in den Wochen vor dem 22. September ihre Stimme per Briefwahl abgeben. Doch vorher ist zu klären, ob sie überhaupt wahlberechtigt sind. Denn im Gegensatz zu Deutschen, die nur vorübergehend im Ausland sind, etwa wegen eines längeren Urlaubs oder Praktikums, aber nach wie vor in Deutschland gemeldet sind - stehen Auslandsdeutsche, also Deutsche ohne Wohnsitz in der Bundesrepublik, nicht automatisch im Wählerverzeichnis. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um wahlberechtigt zu sein.

Wer darf wählen?

Zum Beispiel, wer ab dem 14. Lebensjahr zumindest einmal ununterbrochen drei Monate in Deutschland gelebt hat - wobei dieser Aufenthalt nicht länger als 25 Jahre zurückliegen darf. Doch selbst, wenn das nicht gegeben ist, etwa bei Auswanderern, gibt es Möglichkeiten, an der Wahl des deutschen Bundestags teilzunehmen. Nämlich dann, wenn man nachweisen kann, mit der deutschen Politik vertraut zu sein. Allerdings: Nur deutsche Zeitungen oder Parteiprogramme zu lesen, reicht nicht. Man muss vielmehr persönliche Erfahrungen mit der deutschen Politik gemacht haben.

Ein gutes Beispiel sind dafür Deutsche, die für deutsche Institutionen im Ausland arbeiten. Also in den Außenstellen deutscher Stiftungen und Organisationen, an deutschen Auslandsschulen, Instituten oder für Auslandshandelskammern. Auch deutsche Grenzpendler sind wahlberechtigt, also diejenigen, die ihren Wohnsitz im Ausland haben, aber in Deutschland arbeiten. Und schließlich all jene Auslandsdeutschen, die durch ihr Engagement in Verbänden, Parteien oder anderen Organisationen nach wie vor am politischen und gesellschaftlichen Leben Deutschlands teilnehmen. Die jeweilige Gemeinde entscheidet dann darüber, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, ins Wählerverzeichnis aufgenommen zu werden.

So wie im Fall Winfried Schäfers. Er hat jahrelang in Deutschland gelebt und engagierte sich im Gemeinderat von Ettlingen (Baden-Württemberg), wo seine Familie auch heute noch lebt.

„Schlichtweg verpasst“

Trotzdem wurde er bei der letzten Bundestagswahl zum Nichtwähler. „Ich habe es schlichtweg verpasst, mich darum zu kümmern.“ Damals trainierte er den Klub „Al Ain“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Heute bereut er es, nicht gewählt zu haben: „Eigentlich lege ich großen Wert darauf. Meine Eltern waren nach dem Zweiten Weltkrieg dankbar, dass sie freie Wahlen hatten und sich politisch so entscheiden konnten, wie sie wollten. Das haben sie an mich weitergegeben.“

Diesmal soll es klappen. Deswegen will sich Schäfer richtig vorbereiten, sich im Internet, aus deutschen Zeitungen und Magazinen informieren und so auf dem Laufenden bleiben. Denn auch wenn er im Ausland lebt, will er über die Veränderungen in der Politik Bescheid wissen, sagt er, um so eine fundierte Entscheidung treffen zu können. „Es ist ja nicht sinnvoll, aus Gewohnheit CDU oder FDP zu wählen. Wenn mir das Wahlprogramm der SPD oder der Grünen mehr zusagt, muss ich die auch wählen.“

Dafür hat er bereits seine Frau Angelika eingespannt. Schäfer hat ihr eine Vollmacht gegeben, die Briefwahl für ihn zu beantragen. Zur Not wird sie ihm den Stimmzettel persönlich nach Jamaika bringen. Noch ist aber genug Zeit.

Bis zum 20. September kann man die Briefwahl beantragen. Der Stimmzettel muss nur pünktlich bis zum Wahlsonntag um 18 Uhr zurück in Deutschland und bei der zuständigen Stelle sein. Wer also rechtzeitig zur Post geht, wird seine Stimme für den nächsten deutschen Bundestag nicht verlieren.

Mehr Infos unter: www.bundeswahlleiter.de
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